Formula Student Netherlands

Von Niklas Schäfer am 19.07.2019

Vom 7. bis zum 11. Juli 2019 hat der BRS Motorsport e.V. an der Formula Student Netherlands teilgenommen.

 

Die Vertreter der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg reisten bereits einen Tag vor Eventbeginn an. Morgens trafen sich die Studierenden in der eigenen Werkstatt in Siegburg, bereiteten das Rennfahrzeug G19e vor und machten sich gegen 14:30 auf die Reise nach Assen. Abends erreichte das Team den Campingplatz des TT Circuit Assen und begann sofort mit dem Aufbau des Schlafzelts sowie der Küche. Eine ungemütliche Erkenntnis blieb leider nicht aus: Nachdem die angehenden Ingenieure in Deutschland in den letzten Wochen mit hohen Temperaturen verwöhnt wurden, mussten sie sich mit den mageren Temperaturen um 12 Grad und gelegentlichen Schauern zufriedengeben.

Da die Scrutineering-Termine erst am 08.07. für BRS Motorsport angesetzt waren, blieb noch ein ganzer Tag, um das Fahrzeug vorzubereiten. Beispielsweise musste der Frontflügel noch fertiggestellt werden. Ab 19 Uhr öffnete die Boxengasse. Direkt im Anschluss an die Opening Ceremony bezogen alle Teams ihre Boxen. Dank der guten Planung verlief die Einrichtung enorm schnell. Somit blieb mehr Zeit, am Fahrzeug zu arbeiten. Leider gelang es nicht, einen ungenutzten Scrutineering-Termin eines anderen Teams zu ergattern. Es blieb beim eigenen Termin am Montagmorgen um 8:45

Der Folgetag begann mit einem erfolgreichen Akku-Scrutineering völlig reibungslos. Leider streikte vor den elektrischen und mechanischen Scrutineerings das vordere Bremssystem. Es gelang nicht, wieder genügend Druck in den Kreislauf zu bringen. Am Morgen stand der Termin für die Businessplanpräsentation im Programm, welche mit großer Zufriedenheit des Teams absolviert wurde. Die Arbeit am Bremssystem musste für die beiden anderen statischen Disziplinen Engineering Design und Cost Report pausiert werden. Zu Ende des Tages gelang es, einen minimalen Bremsdruck aufzubauen. Damit war es möglich, das Auto in den „Ready to Drive“-Mode zu versetzen. Auf dieser Basis durfte das Team zumindest in die elektrische Abnahme. Hier war das Team sehr schnell und konnte viele Punkte der langen Prüfliste der Judges zügig abarbeiten. Doch auch das E-Scrutineering konnte nicht vollendet werden. Das Foto aller Fahrzeuge auf der Start-Ziel-Geraden des TT Circuit Assen unterbrach die Abnahme. Nach der langen Fotozeremonie eilten die Studierenden von BRS Motorsport e.V. erneut zur Abnahme – leider ohne Erfolg. Alle Zelte waren für das letzte Zeitfenster  besetzt.

Am darauffolgenden Dienstag stellten sich die Mitglieder der Arbeitsgruppe Electrics direkt vor den Zelten des E-Scrutineerings an und durften das Fahrzeug abnehmen lassen. Die elektrische Abnahme gelang schnell und der erste große Meilenstein war erreicht. Weiter ging es mit dem Braketest, welcher leider größere Probleme mit sich zog. Die ersten beiden versuche gelangen nicht. Während des mechanischen Scrutineerings musste das Bremssystem geöffnet werden. Hierbei scheint sich Luft im Bremskreislauf gesammelt zu haben. Nach erneutem Entlüften war die Bremsleistung besser, der dritte Versuch blieb aber erfolglos. Im vierten Versuch blockierten alle vier Räder eindeutig, ein Judge richtete seinen Daumen trotzdem nach unten – warum wusste niemand. Glücklicherweise gab es ein Video des Versuchs, welches der Offizielle als Beweismittel akzeptiere. Nach kurzer Einsicht korrigierte er seine Entscheidung und die H-BRS-Studenten durften den bestandenen Brake Test feiern. Als letztes Ziel für den Tag galt ein absolvierter Rain Test. Hierfür ergatterten die Studenten glücklicherweise den allerletzten Slot des Tages. Der Test verlief völlig problemlos, also galten alle Ziele als erreicht. Es blieb sogar noch genügend Zeit, um beide Fahrer ins Skidpad zu schicken. In diesem Jahr war die Wettervorhersage unsicher, daher entschieden sich die Officials, die Fahrbahn künstlich zu bewässern. Die Bedingungen waren also für alle Teams identisch. Mit großem Jubeln empfingen das Team Lukas Talaga nach seinem gezeiteten Run: Er schoss den G19e mit einer Fabelzeit von 5.211 Sekunden auf Rang drei. Damit war er nur 0.207 Sekunden hinter dem erstplatzierten, der TU Delft, welche einen neuen Weltrekord im Wet Pad aufstellte. Herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle!

Mit größter Motivation starteten alle Teammitglieder in Tag 4 der Formula Student Netherlands. Auf dem Plan standen die dynamischen Disziplinen Acceleration und Autocross. Zunächst setzte Daniel Röthgen im 2019er Renner der H-BRS eine sichere Zeit im Acceleration. Danach brach er ab und fuhr kein zweites Mal an den Start. Grund dafür war das Wetter. Leichter Nieselregen setzte ein. Sofort machten sich alle auf in die Box, stellten schnell das Fahrwerk für das Autocross-Event ein und schoben in Windeseile zur rund 1000 Meter entfernen Autocross-Strecke. Der Wettergott schien den Studenten gutgesinnt zu sein. Fabian Peitzmeier konnte beide Runden auf trockener Strecke beenden. Sobald er die mit Pylonen abgesteckte Kart Strecke auf Platz 1 liegend verließ, wurde der Regen deutlich stärker – Ein riesiger Vorteil für die Sankt Augustiner. Entgegen aller Erwartungen wurde das unerwartete Wirklichkeit: Am Ende des Tages stand die Startnummer E45 der H-BRS immer noch ganz oben in der Rangliste. Damit war klar: BRS Motorsport startet am nächsten Tag als letztes Team in der Königsdisziplin, der Endurance.

Dank des späten Starts im Endurance-Wettbewerb, bleib viel Zeit, um den G19e perfekt vorzubereiten. Auch heute schien das Wetter auf der Seite der BRSler zu stehen. Morgens stand die Strecke unter Wasser und trocknete immer mehr ab. Daniel Könemann ging als erster Fahrer für BRS Motorsport ins Rennen. Er absolvierte konstant schneller werdende Runden. In einer seiner letzten Runden stoppte allen Zuschauern der Atem. In einer Schikane verlor er das Heck des Rennwagens und drehte sich ins Gras. Sein Frontflügel war mit einem lauten Geräusch gebrochen, er konnte die Fahrt aber fortsetzen. Glücklicherweise griff keiner der Streckenposten zum Notaus, ansonsten wäre die Fahrt vorbei gewesen. Während des Fahrerwechsels wurde das Fahrzeug kurz auf weiter Schäden geprüft: Erleichterung – alles war in Ordnung. Von nun an griff Fabian Peitzmeier ins Lenkrad. Für ihn galt die Ansage, das Rennen sicher zu beenden. Außerdem bleib die Efficiency-Wertung im Hinterkopf. Hier geht es darum, mit einem möglichst stark entladenen Akkumulator in den Parc Ferme zu fahren. Zum Ende hin, nahm er etwas Speed heraus und fuhr ohne Probleme ins Ziel. Die große Aufregung und die vielen verlorenen Nerven haben sich gelohnt! Am Abend durfte ein toller zweiter Platz in der Endurance gefeiert werden. Zwei weitere Pokale stehen nun auch in der Vitrine: Platz 1 im Autocross und Platz 2 Overall. Mit Platz 2 in der Gesamtwertung ließ das gesamte Team den Abend angemessen ausklingen und bereitete am nächsten Tag alles für die Abfahrt vor.

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