{"id":4509,"date":"2024-04-22T13:43:04","date_gmt":"2024-04-22T11:43:04","guid":{"rendered":"https:\/\/brsmotorsport.de\/?p=4509"},"modified":"2024-04-23T18:47:57","modified_gmt":"2024-04-23T16:47:57","slug":"wissensmanagement-in-einem-studentischen-rennsportteam-interview-mit-prof-dr-reith","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/brsmotorsport.de\/en\/wissensmanagement-in-einem-studentischen-rennsportteam-interview-mit-prof-dr-reith\/","title":{"rendered":"Wissensmanagement in einem studentischen Rennsportteam &#8211; Interview mit Prof. Dr. Reith"},"content":{"rendered":"<h3><strong>\u201eDie Aufgabe ist zu gro\u00df f\u00fcr einen Einzelnen\u201c<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wieso ist Wissensmanagement in einem Formula Student-Team wichtig und wie kann man es gestalten? Bei hoher Fluktuation wird die Bedeutung von Wissensmanagement immer wichtiger. Unser Faculty Advisor Professor Dr. Dirk Reith spricht in dem ausf\u00fchrlichen Interview mit Martin Schulz der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg genau dar\u00fcber.<\/p>\n<p>Prof. Dr. Dirk Reith studierte Mathematik und Physik in Mainz und Schweden. Er promovierte in Mainz und war anschlie\u00dfend an bei der Daimler-Chrysler AG besch\u00e4ftigt, bevor er sich wieder der Forschung widmete. 2012 erhielt er seine Professur f\u00fcr Mathematik, Physik und Simulationsanwendungen. Zudem ist er der Direktor des TREE-Instituts und Faculty Advisor des BRS Motorsport e. V.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-4532 alignleft\" src=\"https:\/\/brsmotorsport.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/IMG_1402-200x300.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"300\" data-wp-editing=\"1\" srcset=\"https:\/\/brsmotorsport.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/IMG_1402-200x300.jpg 200w, https:\/\/brsmotorsport.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/IMG_1402-683x1024.jpg 683w, https:\/\/brsmotorsport.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/IMG_1402-768x1152.jpg 768w, https:\/\/brsmotorsport.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/IMG_1402-1024x1536.jpg 1024w, https:\/\/brsmotorsport.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/IMG_1402-1365x2048.jpg 1365w, https:\/\/brsmotorsport.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/IMG_1402-8x12.jpg 8w, https:\/\/brsmotorsport.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/IMG_1402-scaled.jpg 1707w\" sizes=\"(max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><strong>H-BRS: <\/strong>Herr Professor Reith, sie betreuen das studentischen Motorsportteam an Ihrer Hochschule, das f\u00fcr jede Saison ein neues Elektro-Rennauto konstruiert und baut. In die jetzt zu Ende gegangene Saison mussten die Studierenden mit einem kaum erprobten Auto starten. Einen Titel in den Fahrdisziplinen konnte das Team daher \u2013 anders als in der Vergangenheit \u2013 nicht einfahren. Sie haben das so bewertet, dass es eine der wichtigsten Erfahrungen dieses Projekts sei, \u201eaus Fehlern zu lernen und Probleme lediglich als Anlass zu nehmen, weiter zu wachsen.\u201c Wie wichtig sind Fehler f\u00fcr das Weiterkommen einer Lerngruppe?<\/p>\n<p><strong>Prof. Dr. Reith: <\/strong>Selbstverst\u00e4ndlich m\u00f6chte man die Zahl der Fehler durch geeignete Prozesse zun\u00e4chst einmal so klein wie m\u00f6glich halten. Aber das hat Grenzen, da man bei weitem nicht jedes Problem vorhersehen kann und man in gewissen Phasen unter starkem Zeitdruck handeln k\u00f6nnen muss. Menschen machen Fehler, sie sind grunds\u00e4tzlich vorprogrammiert. Mir geht es in meiner Rolle nun darum, mit Fehlern so gut wie m\u00f6glich umzugehen. Wenn man eine Atmosph\u00e4re schafft, die den Willen und die menschliche Gr\u00f6\u00dfe f\u00f6rdert, aus eigenen Fehlern nachhaltig zu lernen, dann werden wahrhaft erfolgreiche Absolventen aus dem Projekt erwachsen. Nat\u00fcrlich tut das bisweilen weh und gelingt nicht immer, aber ich denke, wir haben bereits eine echte Fehlerkultur geschaffen, die uns als Team sp\u00fcrbar weiterentwickelt hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>H-BRS<\/strong>: Ein Kennzeichen dieser Lerngruppe ist es, dass die Mitglieder ganz unterschiedliches Vorwissen mitbringen und nur wenig Erfahrung mit einem derart komplexen Projekt haben, wie es die Konstruktion eines Rennwagens ist. Wie findet jeder einen guten Platz und kann etwas zum Gesamtergebnis beitragen?<\/p>\n<p><strong>Prof. Dr. Reith: <\/strong>Hierzu gibt es mehrere Elemente, die teils von Anfang an da waren, aber teilweise auch erst sp\u00e4ter entwickelt wurden: Da sind zun\u00e4chst die sogenannten \u201eSubteams\u201c, also Teilgruppen, die f\u00fcr einen klar umfassten Bereich verantwortlich sind. Dies k\u00f6nnen technische Einheiten wie Fahrwerk, Software oder Elektrik sein, ebenso wie Einheiten die sich um Sponsoring oder den Businessplan k\u00fcmmern. Hier werden die produktiven Arbeiten koordiniert und gemeinsam bearbeitet. Das Besondere daran sind die Selbstorganisation, aber auch die Vielfalt. Hier arbeiten Studierende aus verschiedenen Studieng\u00e4ngen und Altersstufen eng zusammen, was informelles Lernen aller Beteiligten erm\u00f6glicht. Insbesondere die vertikale Integration vom Bachelor-Erstsemester bis hin zum Masteranden macht das Projekt recht einzigartig.<\/p>\n<p>Es gibt jedoch auch spezielle Recruitingphasen und Einf\u00fchrungsveranstaltungen um wiederum zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Zum einen will man Neulingen das Onboarding so leicht wie m\u00f6glich zu machen, zum anderen ist der Zeitaufwand f\u00fcr die Dozierenden so recht klein, d.h. es erm\u00f6glicht viel Wissenstransfer in kurzer Zeit.<\/p>\n<p>Meine Rolle liegt dabei mehr in der Hilfestellung zur geeigneten methodisch-didaktischen Herangehensweise, also einem Mentoring und Coaching. Dies haben wir in einer sogenannten \u201eRace Academy\u201c formalisiert und verstetigt. Wir sind so wirklich eng zusammengewachsen, kann man sagen. Nachdem Vertrauen aufgebaut ist, sieht und versteht man einfach viel mehr von der anderen Seite und das hei\u00dft, man entwickelt eine viel engere und damit tragf\u00e4higere Verbindung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><img decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-4539 alignleft\" src=\"https:\/\/brsmotorsport.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/DGP9755-200x300.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/brsmotorsport.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/DGP9755-200x300.jpg 200w, https:\/\/brsmotorsport.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/DGP9755-683x1024.jpg 683w, https:\/\/brsmotorsport.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/DGP9755-768x1151.jpg 768w, https:\/\/brsmotorsport.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/DGP9755-1025x1536.jpg 1025w, https:\/\/brsmotorsport.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/DGP9755-1366x2048.jpg 1366w, https:\/\/brsmotorsport.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/DGP9755-8x12.jpg 8w, https:\/\/brsmotorsport.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/DGP9755-scaled.jpg 1708w\" sizes=\"(max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/>H-BRS: <\/strong>Um gegen die starke Konkurrenz bestehen zu k\u00f6nnen, muss das Produkt \u2013 wie auch das Team insgesamt \u2013 best\u00e4ndig weiterentwickelt werden, es muss immer \u201ebesser\u201c werden. Woher bezieht der Einzelne, woher bezieht das Team das daf\u00fcr notwendige Wissen?<\/p>\n<p><strong>Prof. Dr. Reith: <\/strong>Es ist der Grundcharakter von komplexen Aufgaben, dass man nicht alles aus B\u00fcchern erlernen kann. Vieles beruht im Laufe der Zeit auf dem Erfahrungswissen der jeweils \u00e4lteren Generation und es entwickelt sich ein kollektives Ged\u00e4chtnis. Hierbei ist entscheidend, dass jedes Teammitglied einen Sinn in seinen Aufgaben sieht, sich am Erfahrungswissen bedient und einzelne Herausforderungen immer auch ins Gesamtprojekt einordnet, denn die Aufgabe ist zu gro\u00df f\u00fcr einen Einzelnen.<\/p>\n<p>Es gibt aber auch ein curriculares Lehrkonzept, das ich drumherum entwickelt habe. Die Formula Student ist immer in erster Linie ein Projekt von Studierenden. Aber es war f\u00fcr mich naheliegend, es von Seiten der Hochschule auch formal zu unterst\u00fctzen, da man irgendwann ein Niveau erreicht, wo man einfach nicht mehr weiterkommt, wenn nicht auch die strukturellen Dinge passen.<\/p>\n<p>So leite ich schon seit Jahren einige Projekt- und Wahlmodule, welche direkt auf die Arbeit des Teams abgestimmt ist und auf hohem theoretischen wie praktischen Niveau laufen. Wer besonders viel Zeit in die Formula Student steckt, kann dar\u00fcber hinaus ein offizielles Zusatzzertifikat erhalten. \u00a0Und einige Studierenden werden sogar seit ein paar Jahren in die Bachelor-Lehre miteingebunden. Das hei\u00dft, sie k\u00f6nnen als eigenverantwortliche Co-Referenten oder Co-Dozenten auftreten. In dem Moment, wo sie dies tun und Wissen im Rahmen regul\u00e4rer Veranstaltungen weitergeben d\u00fcrfen, vertieft sich auch das eigene Verst\u00e4ndnis nochmal weiter. Das ist eine Konstellation, die ich auf diesem Niveau noch nirgends sonst gesehen habe und eine eigene Dimension, die dazugekommen ist. Zusammengefasst zieht das Team also das Wissen aus sich selbst, und ich versuche den Rahmen und Impulse so zu setzen, dass dies optimal erm\u00f6glicht wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-4531 alignleft\" src=\"https:\/\/brsmotorsport.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/WhatsApp-Image-2024-04-22-at-10.00.10-1-1-200x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/brsmotorsport.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/WhatsApp-Image-2024-04-22-at-10.00.10-1-1-200x300.jpeg 200w, https:\/\/brsmotorsport.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/WhatsApp-Image-2024-04-22-at-10.00.10-1-1-683x1024.jpeg 683w, https:\/\/brsmotorsport.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/WhatsApp-Image-2024-04-22-at-10.00.10-1-1-768x1152.jpeg 768w, https:\/\/brsmotorsport.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/WhatsApp-Image-2024-04-22-at-10.00.10-1-1-1024x1536.jpeg 1024w, https:\/\/brsmotorsport.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/WhatsApp-Image-2024-04-22-at-10.00.10-1-1-1365x2048.jpeg 1365w, https:\/\/brsmotorsport.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/WhatsApp-Image-2024-04-22-at-10.00.10-1-1-8x12.jpeg 8w, https:\/\/brsmotorsport.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/WhatsApp-Image-2024-04-22-at-10.00.10-1-1-scaled.jpeg 1706w\" sizes=\"(max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><strong>H-BRS: <\/strong>Erfahrungswissen geht aber auch verloren, was zumal bei einer Gruppe von Studentinnen und Studenten ganz nat\u00fcrlich ist. Zum Beispiel, weil \u00e4ltere Mitglieder ihren Abschluss machen und die Hochschule verlassen. Das Bewahren von Wissen und die Weitergabe an nachr\u00fcckende Mitglieder sind folglich entscheidend daf\u00fcr, um auf Dauer erfolgreich zu sein. Wie gelingt das in einer jungen Lerngruppe mit wechselnder Zusammensetzung?<\/p>\n<p><strong>Prof. Dr. Reith: <\/strong>Zun\u00e4chst einmal: Wissen auf viele K\u00f6pfe verteilen, verschriftlichen und geordnet abspeichern. Das klingt alles leicht und selbstverst\u00e4ndlich, ist es bei der praktischen Umsetzung aber nicht. Was hilft ist die jugendliche Neugier. Die Studierenden sind sehr findig und offen beim Entdecken neuer Tools, um sich das Leben leichter zu machen. Das alleine w\u00fcrde aber nicht reichen, einige Ma\u00dfnahmen wie die \u201eRace Academy\u201c und Anreize durch curriculare Anerkennung des Geleisteten habe ich bereits erw\u00e4hnt.<\/p>\n<p>Ein weiterer Faktor: Wir haben mittlerweile eine sehr starke Alumni-Basis geschaffen, die uns jederzeit mit Rat und Tat zur Seite stehen, teils auch mit Hilfe von deren Unternehmen, wo wir immer wieder Teammitglieder hinschicken k\u00f6nnen. Die Alumni kommen aber auch selbst gerne bei Events, bei der Vorstellung des Autos der neuen Saison oder beim Saisonabschluss zu uns, sodass auch ich sehe, was aus denen wird, sie bleiben uns eng verbunden. Wir haben also auch als Hochschule einen oftmals engen Austausch mit den Unternehmen, zu denen Formula Student Absolventen gehen und k\u00f6nnen stetig verfolgen, was den Arbeitsmarkt umtreibt. Das ist sehr, sehr befruchtend in alle Richtungen. Aber nicht zuletzt sind es gerade die Alumni, die in Krisenzeiten der aktuellen Teamleitung zur Seite stehen und ihr Wissen dann weitergeben, wenn es am dringendsten ben\u00f6tigt wird. Das findet sich in keiner Exceltabelle auf dem Cloudspeicher.<\/p>\n<p><strong><br \/>\nH-BRS: <\/strong>Die Gruppe hat ein gemeinsames Projekt, aber alle Beteiligten arbeiten aus freier Entscheidung daran mit und sind gleichberechtigt: Wie k\u00f6nnen unter diesen Umst\u00e4nden verbindliche Absprachen organisiert werden?<\/p>\n<p><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-4540 alignleft\" src=\"https:\/\/brsmotorsport.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/DGP9944-200x300.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/brsmotorsport.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/DGP9944-200x300.jpg 200w, https:\/\/brsmotorsport.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/DGP9944-683x1024.jpg 683w, https:\/\/brsmotorsport.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/DGP9944-768x1151.jpg 768w, https:\/\/brsmotorsport.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/DGP9944-1025x1536.jpg 1025w, https:\/\/brsmotorsport.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/DGP9944-1366x2048.jpg 1366w, https:\/\/brsmotorsport.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/DGP9944-8x12.jpg 8w, https:\/\/brsmotorsport.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/DGP9944-scaled.jpg 1708w\" sizes=\"(max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/>Prof. Dr. Reith: <\/strong>Autonomie ist auf jeden Fall ein riesengro\u00dfes Thema, da es ist ja ein Projekt ist, was von einer hohen Eigenmotivation lebt. Diese kommt glaube ich erst dann, wenn man das Ding zu seinem eigenen macht. Und das war es hier von Anfang an, also dass die Studierenden die Kontrolle \u00fcber das Projekt haben und am Ende selbst daf\u00fcr geradestehen, aber auch stolz sein d\u00fcrfen, was getan wurde.<\/p>\n<p>Das schafft eine h\u00f6here Verbindlichkeit, aber auch einen h\u00f6here Antrieb, auf jeden Fall auch mehr Emotion und damit ein sehr tiefes Eintauchen in die Sache. Man muss bereit sein, etwas zu geben. Die Didaktik spricht hier gerne von ganzheitlichem Lernen mit Kopf, Herz und Hand. Aber es muss halt eben auch Druck her, damit der Diamant entstehen kann. Und das ist genau das, was wir haben.<\/p>\n<p>Auf dieser Basis war eine wichtige fr\u00fche Erkenntnis, dass man sich nicht nur als \u201eSchraubertruppe\u201c mal eben in einer Werkstatt treffen und bosseln kann, sondern auch Zeit und Raum f\u00fcrs Vorausschauen und Abstimmen braucht. Daher organisiere und leite ich regelm\u00e4\u00dfig mit der Race Academy Kernteam-Seminare, die wir meist mit der n\u00f6tigen Ruhe an Wochenenden durchf\u00fchren. Hier suchen wir auch nach den \u00fcbergeordneten Zielen und es muss sich \u201ebottom-up\u201c ein Wertekonsens einstellen. Und so haben wir uns entschieden, eben nicht alles dem Erfolg unterzuordnen, sondern den Spa\u00df an der Sache und das Mitnehmen von allen die wollen m\u00f6glich zu machen. Die Studierenden sagen \u201eDas beste Auto baut man mit Freunden\u201c, und dem kann ich mich nur anschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Dadurch zeichnet sich das Projekt aus. Es ist Leiten ohne hierarchische Machtm\u00f6glichkeiten. Sie m\u00fcssen es schaffen, auch Teammitglieder, die nicht Teil eines Kernteam drin sind, zu motivieren und anzuleiten. Die m\u00fcssen auch Lust haben, sie sind genauso wichtig. Das hei\u00dft, diese Vielfalt, Projektmanagement, F\u00fchrungskraft, aber eben auch das ganz tiefe technische Verst\u00e4ndnis und das Ganze noch weiterzugeben, das ist das eigentliche Produkt des Projekts, neben dem Rennwagen.<\/p>\n<p>Es ist dann nur eine logische Folge, dass diese Absolventen viel leichter einen Beruf finden, weil sie quasi schon Berufserfahrung mitbringen. Nach den 10 Jahren, die ich betreue, kann man sagen, dass auch die Jobqualit\u00e4t eine h\u00f6here ist. Es ist oftmals so, dass die Absolventen relativ fr\u00fch in F\u00fchrungspositionen kommen, weil sie das hier gelernt haben und mitbringen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>H-BRS: <\/strong>Herr Professor Reith, wie Sie gerade selbst sagen, betreuen Sie das studentische Motorsportteam seit nunmehr zehn Jahren als Faculty Advisor und sind somit die Konstante in diesem von Fluktuation gepr\u00e4gten Projekt: Was wissen Sie heute, was Sie seinerzeit gerne gewusst h\u00e4tten?<\/p>\n<p><strong>Prof. Dr. Reith: <\/strong>Diese Frage ist wirklich nicht leicht zu beantworten. Nat\u00fcrlich wei\u00df ich heute viel mehr \u00fcber Rennwagen und was es braucht, um Jahr f\u00fcr Jahr einen Prototypen herzustellen. Dennoch ist jeder Schritt aus seiner Zeit heraus entstanden und aus der konkreten Konstellation von Rahmenbedingungen wie Manpower, Geld, Wissensstand oder Fertigungskapazit\u00e4ten bei externen Partnern. Dabei wei\u00df ich heute, dass es keine Kochrezepte gibt die immer gleich gut funktionieren, und dass man immer auf \u00dcberraschungen \u2013 positive wie negative \u2013 gefasst sein muss. Die 10 Jahre wurden von etwa drei bis vier F\u00fchrungsgenerationen gepr\u00e4gt, die unterschiedliche Ziele und Werte in sich trugen. Da wei\u00df ich heute, dass es mehr Zeit und Geduld erfordert als ich anfangs vermutet h\u00e4tte, immer wieder neu eine Einheit aus den Individuen zu formen. Und diese Herausforderung nehme ich nach wie vorne sehr gerne an<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDie Aufgabe ist zu gro\u00df f\u00fcr einen Einzelnen\u201c &nbsp; Wieso ist Wissensmanagement in einem Formula Student-Team wichtig und wie kann man es gestalten? Bei hoher Fluktuation wird die Bedeutung von Wissensmanagement immer wichtiger. 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