Carina auf der Formula Student Germany 2015

Geschrieben von Elena Schulz am .

Vom 28. Juli bis zum 2. August fand die Formula Student Germany zum 10. Mal auf dem Hockenheimring statt. Das BRS Motorsport Team nahm dieses Jahr insgesamt das 5. Mal teil, davon das zweite Mal in der Formula Student Electric – mit ihrem zweiten Elektro-Rennwagen.

Für den zweiten Elektro-Rennwagen des Teams wurden viele Neuerungen entwickelt und ein ganzheitliches Konzept verwirklicht, dessen Planung schon vor mehr als einem Jahr begonnen hatte. Zwar ist der Motor derselbe geblieben, jedoch wird dieser nun mit einer von 300V auf 600V erhöhten Spannung betrieben. Das Chassis wurde grundlegend verändert: statt dem die Jahre zuvor genutzten Stahlrohr-Rahmen entwickelte das Team ein vollständiges CFRP (Carbon Fiber Reinforced Plastic) Monocoque – ein selbsttragendes Chassis wie in der Formel 1. Hinzu kommt die Änderung des bisherigen 13 Zoll Fahrwerks auf ein 10 Zoll Fahrwerk. Insgesamt wurde so das Ziel verfolgt, ein steiferes Chassis mit genauerer Anbindung der Fahrwerkspunkte zu entwickeln, welches ganzheitlich aerodynamisch auf die Flügel und kleineren Räder abgestimmt ist. So können im Gesamtpaket Gewicht und Luftwiderstand reduziert werden und so die im Akku zur Verfügung stehende Energie nachhaltiger genutzt werden. 2014 wurde daher das Team für die Entwicklung des Monocoques unter energieeffizienten Aspekten mit dem Innovationspreis der Hochschule ausgezeichnet.

Auch wenn der offizielle Beginn der Formula Student erst dienstags stattfindet, ist es Tradition, dass das Team schon montags den Campingplatz bezieht um das gesamte Camp aufzubauen und einen freien Abend ohne Stress gemeinsam verbringen zu können. Nach einem entspannteren Dienstagvormittag, der für die Vorbereitung auf die statischen Disziplinen genutzt wurde, folgten nachmittags dann die Registrierung der Team Mitglieder und der Aufbau der Box. Bei der FSG teilen sich jeweils 6 Teams eine Box in der Boxengasse, wodurch es notwendig ist, den begrenzten Platz möglichst gut auszunutzen. Zum Abend hin wurde dann, nachdem alle Boxen eingerichtet waren, die FSG traditionell mit der Opening Ceremony eröffnet.

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Bevor die Rennwagen auf die Strecke dürfen, muss jedes Fahrzeug durch eine technische Abnahme. Diese besteht bei den Elektro-Fahrzeugen aus elektrischem und mechanischem Scrutineering. Um die Abnahme zu koordinieren wird im Vorfeld zur FSG ein Quiz abgehalten, bei welchem man die korrekten Antworten in einer möglichst kurzen Zeit in ein Online-Formular eintragen muss, um einen der vorderen Scrutineering Plätze zu erhalten. Mit unserer Zeit konnten wir uns den 5ten Platz in der technischen Abnahme sichern. Da die technische Abnahme immer einige Zeit in Anspruch nimmt, vor allem wenn Einzelheiten ausgebessert werden müssen, ist es wichtig, möglichst zu Beginn des Events mit der Abnahme zu beginnen. Denn verzögert sich die gesamte Abnahme des eigenen Fahrzeugs über mehrere Tage, kann es passieren, dass schon die ersten Disziplinen gefahren werden, man selbst aber nicht daran teilnehmen kann und daher Null Punkte für diese Disziplinen erlangt. Erfreulicherweise waren wir recht schnell mit dem elektrischen Scrutineering fertig und erhielten als erstes von 40 Elektro-Teams den Sticker für die Abnahme unserer Systeme! Während der Mittagspause wurde das traditionelle Panorama-Foto aller Teams und Rennwagen geschossen. Danach ging es mit der technischen Abnahme unseres Fahrzeuges weiter: diese besteht aus der mechanischen Inspektion, einem Tilt-Test, bei dem das Fahrzeug auf einer Bühne seitlich gekippt wird, dem Rain-Test und dem Brake-Test. Bei der Inspektion des Fahrzeuges wurden ein paar Kleinigkeiten bemängelt, die über die Nacht verbessert wurden, sodass wir direkt am nächsten Morgen mit der Abnahme fortfahren konnten.

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Noch vor Mittag konnten wir somit am Donnerstag stolz verkünden, dass wir die gesamte technische Abnahme als erstes Elektro-Team bestehen konnten! Nachmittags folgten dann alle statischen Disziplinen, wobei neben dem Cost Report und der Businessplan Presentation besonders das Feedback zum Engineering Design positiv ausfiel und auf eine gute Platzierung hoffen ließ. Und tatsächlich wurde unser Design-Konzept mit einem 6. Platz belohnt, als die Resultate dann abends veröffentlich wurden.

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Freitags fand die erste dynamische Disziplin statt: das Skidpad. Vorher sollte Carina aber noch einmal in der Test Area gefahren werden, um zu überprüfen, ob die Fahrwerksabstimmung den Fahrern so gefällt oder ob für die jeweilige Disziplin noch Änderungen vorgenommen werden müssen. Zudem konnte Carina vor der FSG kaum getestet werden, da der Rennwagen erst eine Woche vor der FSG komplett fertig gestellt werden konnte und dann auch noch ein Problem mit dem Motor Inverter auftrat. Dadurch konnte vor der FSG nie mit voller Leistung gefahren werden und die nun erstmals in der Test Area frei gegeben wurde. Die gezeigte Performance von Carina konnte das gesamte Team begeistern, denn Beschleunigung und Beweglichkeit des Fahrzeugs sahen noch besser aus als erwartet – schließlich hatte das ganze Team mehr als ein Jahr lang darauf hin gearbeitet, diese Performance auf die Straße zu bringen!

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Nachdem alles eingestellt war, ging es zum Skidpad. Dieses ist ein Kurs in Form einer liegenden Acht, wobei jeder Kreis zweimal gefahren wird und die schnellste Zeit gemittelt wird. Bei der FSG wird das Skidpad auf bewässerter Fahrbahn gefahren. Beide Fahrer fuhren sehr ähnliche Zeiten und letztendlich waren 6.00 Sekunden die schnellste Zeit, mit der wir uns im Vergleich zur Zeit vom letzten Jahr verbessern konnten.

Die nächsten Disziplinen folgten am Samstag. Vormittags fand das Acceleration statt, bei dem über eine Gerade von 75m beschleunigt wird. Je Team dürfen zwei Fahrer zwei Mal die Strecke fahren, welche auf der Start/Ziel-Geraden des Hockenheimrings abgesteckt ist. Unser erster Fahrer konnte eine gute Zeit von 3.93 Sekunden heraus fahren, welche noch durch unsere zweite Fahrerin auf 3.84 verbessert wurde. Leider mussten wir im Nachhinein erfahren, dass der Power Limiter nicht einwandfrei eingestellt war und bei der Fahrt des ersten Fahrers Leistungsspitzen von 105 kW aufgezeichnet wurden. Da die maximale Leistung laut Reglement 80 kW beträgt, wurden wir nachträglich vom gesamten Acceleration disqualifiziert. Die falsche Einstellung unseres Leistungsbegrenzers ist der kurzen Testzeit vor der FSG geschuldet – nichtsdestotrotz können wir stolz auf die schnelle Zeit von 3.84 Sekunden sein, die ohne Leistungsüberschreitung gefahren wurde. Carina hat also ein gutes Potential im Acceleration als Fahrzeug mit 1-Motor-Konzept.

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Nach einer Mittagspause folge das Autocross, welches auf einem ca. 1km langen abgesteckten Kurs gefahren wird und als Qualifikation für das Ausdauerrennen am Sonntag gilt. Auch hier konnte sich unser Fahrzeugkonzept beweisen: unser erster Fahrer konnte schon schnelle Zeiten erbringen und mit dessen Feedback das Fahrwerk optimal für unseren zweiten Fahrer eingestellt werden, der die Zeiten nochmals verringern konnte und uns somit einen 6. Platz sicherte – als schnellster Rennwagen mit einem 1-Motor-Konzept!

Die Feuerprobe folgte dann am Sonntag beim Endurance, da auch hierfür die Testzeit im Vorfeld fehlte, um Carina auf 22km Ausdauerrennen testen zu können. Durch die schnelle Autocross-Zeit erhielten wir einen Startplatz am Nachmittag bei den schnelleren Fahrzeugen. Mit der großartigen Performance, die Carina schon im Autocross gezeigt hatte, startete der erste Fahrer in das Rennen. Gleich zu Beginn konnten wir 3 andere Teams überholen und schnelle Zeiten fahren – das ganze Team war begeistert von der Performance und feierte Carina von den Tribünen aus an. In der neunten Runde allerdings – und damit wenige Meter vor dem Fahrerwechsel - wurde Carina von der einen auf die andere Kurve sehr langsam und ging schließlich aus. Unser Fahrer versuchte noch in mehreren Startversuchen den Rennwagen wieder ans laufen zu bekommen, aber leider schalteten die Sicherheitssysteme diesen immer wieder ab. Natürlich ließ sich die Enttäuschung über den Ausfall in der am höchsten bewerteten Disziplin nicht so einfach verbergen bzw. abschütteln. Nach den ersten Minuten aber mussten wir uns eingestehen, dass wir es trotz Ausfall auf dem Event recht weit gebracht hatten. Denn durch die Probleme mit dem Inverter, der noch Montags vor der FSG beim Hersteller repariert wurde, war es bis zur letzten Minute fraglich gewesen, ob die dynamischen Disziplinen überhaupt angetreten werden können. Somit sind die Ergebnisse und die Performance von Carina auf dem Event mehr als erfreulich: in den Statics sind wir besonders stolz auf den 6. Platz im Engineering Design, welcher uns den Ansporn gibt, uns im nächsten Jahr die Design Finals als Ziel vorzunehmen! Außerdem konnten wir mit dem 6. Platz im Autocross beweisen, dass unser Package nicht nur in der Theorie gut funktioniert, sondern dass sich Carina auch auf der Strecke recht gut gegen die 2- und 4-Motor-Konzepte beweisen kann! Mit diesen Gedanken konnte das Team dann doch noch den Rest des Tages genießen und gemeinsam den Endurance der Top5-Teams als Motivation anschauen.

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Nach der ersten Fehlersuche lautete die Prognose, dass der Inverter im Motorraum während der Fahrt zu heiß geworden ist und aus Sicherheitsgründen abgeschaltet hat. Da nach der FSG noch die FS Austria und die FS Spain vor dem Team liegen, wird derzeit die gesamte Energie in die Behebung des Fehlers gesteckt, um zu der großartigen Performance von Carina nun noch die Zuverlässigkeit sicher zu stellen!

Sehr haben wir uns auch über den Besuch von unserem Faculty Advisor Herrn Prof.-Dr. Dirk Reith gefreut, der uns mit einem großen Süßigkeiten-Paket am Freitag überraschte und uns auch am Samstag moralisch unterstütze und mit fieberte! Für die Formula Student in Spanien Ende August wird Herr Prof.-Dr. Reith sogar das gesamte Event über vor Ort sein und mit dem Team campen – ähnlich wie bei der FS Italy im letzten Jahr.

Ein großes Dankeschön möchten wir noch an die gesamte Formula Student Community aussprechen: als die Probleme mit unserem Inverter in der Woche vor der FSG auftraten und wir bei den Teams um Hilfe baten, erreichten uns sofort zahlreiche Ratschläge per Mail und Telefon, die uns weiter halfen. Besonderer Dank geht an das Formula Student Team Kaiserslautern – KaRaT – die uns ihren alten Inverter zur Verfügung stellten um noch ein paar letzte Tests vor der FSG durch zu führen. Durch den Ersatz konnten wir unseren Inverter über das Wochenende vor der FSG ausbauen und montags in aller Früh zum Hersteller Unitek fahren, die uns halfen, die defekten Komponenten auszutauschen! Danke auch an das Formula Student Team Karlsruhe Ka-RaceIng, die uns noch dienstags mit auf ihre Teststrecke nahe Hockenheim nahmen!

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Auch dieses mal haben wir wieder Videotagebücher über unsere Teilnahme auf der FSG auf unserem Youtube Kanal veröffentlicht. Und natürlich sind viele Bilder in unseren Flickr-Alben (FSG15 und FSG15-andere Teams) und auf Facebook zu finden!