Erster Pokal bei der FS Italy

Geschrieben von Elena Schulz am .

Zum ersten Mal in der Teamgeschichte hat das BRS Motorsport-Team an einem offiziellen Formula Student Event außerhalb Deutschlands, der Formula Student Italy am Circuit Varano de Melegari vom 28. August bis 1. September, teilgenommen – und konnte direkt einen großartigen Erfolg feiern.

Neben dem seit 2006 bestehenden Formula Student Event in Deutschland am Hockenheimring werden auch in vielen anderen Ländern FSAE Wettbewerbe ausgetragen – so auch schon seit 2005 in Italien. Bisher konnte das Team neben der FSG kein weiteres Event finanzieren, durch den wachsenden Erfolg und neue Sponsoren war es aber dieses Jahr das erste Mal möglich, an einem zweiten FSAE Event teilzunehmen.

Am Mittwochmorgen gegen 4 Uhr in der Früh fuhr ein erster kleiner Teil des Teams, bestehend aus 8 Personen und zwei Fahrzeugen mit Anhängern, los in Richtung Italien, um mit dem Equipment rechtzeitig am Donnerstag in Italien anzukommen. Während die Vorhut nach einem langen Roadtrip gegen Abend für einen kurzen Stopp am Gardasee ankam, fuhr der Rest des Teams zusammen mit dem Kölner Team eMotorsports Cologne in einem Bus zusammen über Nacht nach Italien.

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Trotz der vielen Pausen erreichte die Vorhut die Rennstrecke in Varano schon gegen 2 Uhr nachts, durfte aber noch nicht auf den Campingplatz, der erst morgens um 9 Uhr öffnen sollte. Kurzerhand wurde der fehlende Schlaf in den Autos, Anhängern und im Transporter unter dem Rennwagen, auf dem Werkstattwagen und wo sonst noch Platz zum Schlafen gefunden wurde, nachgeholt.

Am frühen Morgen füllte sich auch so langsam der Parkplatz mit den vielen Autos der Teams, die alle ihre Zelte auf dem Campingplatz aufbauen wollten. Nach einigen Diskussionen mit den Organisatoren am Campingplatz, die scheinbar für fast jedes Team nur die Hälfte der vorher reservierten Quadratmeter-Anzahl abgesperrt hatten, konnten wir unseren Zeltplatz etwas vergrößern, sodass unser Lager zwar nicht sehr geräumig war, wir aber immerhin für alle Zelte Platz fanden.

Gegen Abend durften die Transporter für eine kurze Zeit auf die Rennstrecke, um die Box aufzubauen und die Ausweise für Mitglieder und Faculty Advisor zu organisieren. Denn neben der Premiere, das erste Mal in Italien anzutreten, begleitete uns auch das erste Mal unser Faculty Advisor Herr Prof. Dr. Dirk Reith, der uns seit etwas mehr als einem Jahr als Repräsentant der Hochschule erfolgreich und sehr engagiert unterstützt.

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Der Freitag war vollgepackt mit Terminen bis in den Nachmittag hinein: nach dem Teamleiter-Briefing am frühen Morgen startete das E-Scrutineering, das wir ohne Probleme nach etwas mehr als zwei Stunden absolvieren konnten. Gegen Mittag wurde das Event offiziell mit der Opening Ceremony eröffnet, nach welcher sich das Team eine kurze Mittagspause gönnte. Danach ging es direkt weiter zum technischen Scrutineering, dem Tilt-Test, dem Rain-Test und auch das Business Team musste sich auf die am Nachmittag stattfindende Business Plan Präsentation vorbereiten. Diese konnte das Business Team nicht ganz so zufriedenstellend wie in Hockenheim durchführen, da durch das an diesem Tag stattfindende Motorrad-Rennen eine sehr laute Geräuschkulisse herrschte, und die Judges und das Team sich akustisch nicht immer 100%ig verstehen konnten. Dennoch konnten die gesammelten Erfahrungen und das wertvolle Feedback mitgenommen werden und für das nächste Jahr an die neuen Business-Leute weiter gegeben werden.

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Auch am Samstagmorgen standen zwei statische Disziplinen an: der Cost Report und der Engineering Design Report. Die Judges waren mit dem Layout des Cost Reports sehr zufrieden und das Team konnte durch das positive Feedback schon eine gute Platzierung erahnen. Da der Brake-Test mittlerweile geöffnet war, fuhr das Team mit Rosana noch kurz vor dem Design Event zum Brake-Test, um den letzten Scrutineering-Sticker zu ergattern. Danach folgte direkt der Design Report, den das Team mit dem Feedback von Hockenheim noch in den letzten Tagen verbessert hatte. Hier gaben die Judges ebenfalls positive Bewertungen ab, sodass das Team mit einem sehr guten Gefühl in die Mittagspause gehen konnte.

Nach der Mittagspause wurde Rosana in die Test Area gerollt, um den Fahrern die Möglichkeit zu geben, sich auf den Track und das Auto einzustimmen. Sowohl Elektrotechniker als auch Fahrwerker führten noch einige Tests durch, um das Fahrzeug auf die am darauf folgenden Tag anstehenden dynamischen Disziplinen vorzubereiten. Da alles sehr gut verlaufen war, konnte das Team noch recht früh in den Feierabend gehen, und vor dem Abendessen ein paar Runden Vikingerschach auf dem Campingplatz mit dem Faculty Advisor Herrn Prof. Dr. Reith spielen. Dieser hatte das Spiel dem Team extra als Geschenk mitgebracht und war als Zeitvertreib das ganze Event über eine sehr willkommene Abwechslung.

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Am Sonntag eröffnete das Acceleration die dynamischen Disziplinen. Nach einem Problem mit der Elektronik im ersten Run konnte die zweite Fahrerin eine für unser Motorkonzept sehr gute Zeit heraus fahren. Ohne große Unterbrechung ging es anschließend weiter zum Skidpad, welches am anderen Ende der Strecke aufgebaut war. Hier konnten beide Fahrer eine sehr schnelle Zeit herausfahren, doch war das ganze Team trotzdem überrascht, als die Ergebnisse zeigten, dass die Zeiten beider Fahrer für den ersten Platz im Skidpad gereicht hatten! Nach dem Skidpad stand der Autocross auf dem Plan und auch hier schien es, ähnlich wie in Hockenheim, ein Pokerspiel mit dem Wetter zu werden, da immer dunklere Wolken aufzogen. Mit einem Platz in der Mitte der Autocross-Schlange hatten wir beim ersten Fahrer leider kein Glück, denn kurz nach dem Start der Disziplin fing es an zu regnen, sodass bis zu unserem Start die Strecke schon recht nass war. Mit dem Start des zweiten Fahrers wartete das Team etwas länger, denn die dunklen Wolken schienen genau so schnell wie sie gekommen waren auch wieder zu verschwinden. Auf der dann wieder trockenen Strecke konnte eine gute Zeit herausgefahren werden, die uns in einer der späteren Endurance-Gruppen am Sonntagnachmittag platzierte. Diese ersten großen Erfolge feierte das Team am Abend mit einer Runde leckerer Pizza der Pizzeria nahe des Campingplatzes und freute sich auf den spannenden Endurance am nächsten Tag.

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Nachdem der Montag mit dem Coursewalk auf der Endurance-Strecke startete, suchte sich das Team einen guten Platz auf der Tribüne, um den anderen Teams bei der Fahrt zuzuschauen. Das Elektro-Team ging derweil noch einmal die Start- und Fahrerwechsel-Prozedur mit den beiden Fahrern durch, um sich im Endurance keine Fehler zu leisten. Mit fortschreitender Zeit stieg bei allen merklich die Anspannung, bis es schließlich am späten Nachmitag gegen 16 Uhr zur Startaufstellung ging. Nach einer eher vorsichtigen ersten Runde konnte die Performance von Rosana voll ausgenutzt werden und sogar mit schnellen Rundenzeiten einige Teams überholt werden. Nach der Hälfte der Distanz (11 Kilometer) wurde der Fahrerwechsel ohne Fehler durchgeführt und der zweite Fahrer startete ins Rennen. Begleitet von jubelnden Teammitgliedern und mindestens 50 fest gedrückten Daumen konnten konstante Rundenzeiten ohne groß spürbaren Leistungsverlust gefahren werden, bis schließlich auch die letzte Runde ins Ziel gefahren werden konnte. Großes Gejubel und Erleichterung nach dem Ausfall in Hockenheim schwang von der Tribüne her, und nachdem Rosana in das Parc Fermé gerollt war, wurde das Endurance-Team vom gesamten Team an der Boxengassenmauer mit Applaus begrüßt.

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Nachdem der Jubel abgeklungen war galt es die Box vor dem Beginn der Award Ceremony auszuräumen und alles wieder in die Transporter zu verstauen. Mit etwas Verspätung begann die mit Aufregung erwartete Award Ceremony gegen 21 Uhr auf der Start/Zielgeraden des Varano Circuits. Nach etlichen Hochrechnungen der Punkte hoffte das ganze Team auf eine Podiumsplatzierung in der Gesamtwertung, sodass die Anspannung bis zur Verleihung im ganzen Team zu spüren war. Zunächst wurde jedes Team aufgerufen, um Teilnehmerurkunden in Empfang zu nehmen, bis danach die ersten Pokale der statischen und dynamischen Disziplinen vergeben wurden. Leider gab es weder für den Autocross noch das Skidpad einen Pokal, sodass das Team trotz erstem Platz im Skidpad dort leer ausging. Umso größer war die Freude, als tatsächlich bei der Verkündigung des insgesamt Drittplatzierten das Team mit der Nummer 645 aufgerufen wurde – BRS Motorsport! Vollkommen ungläubig stürmte das Team auf die Bühne und feierte vor allem die Elektrotechniker, die diesen Pokal durch die Änderungen im Akku und den dadurch erfolgreichen Endurance erst möglich gemacht haben. Insgesamt waren alle überglücklich, für die harte Arbeit und die langen Nächte nun endlich belohnt zu werden und schöpften sogleich Motivation für die nächste Saison.

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Nach der Award Ceremony folgte nur noch ein schneller Mitternachts-Snack, um danach direkt mit dem Bus die Rückfahrt Richtung Heimat anzutreten. Das Transporter-Team gönnte sich noch einige Stunden Schlaf bis zum Morgen und machte sich nach dem Abbau der Zelte ebenfalls auf den Weg nach Hause, allerdings nicht, ohne nochmals einen kurzen Halt am Gardasee zu machen. In Peschiera del Garda wurde spontan ein kleines Boot gemietet und für zwei Stunden nochmal der Sommer genossen. Mit leckerer Pizza gestärkt wurden darauf die vielen letzten Kilometer der Reise angetreten, sodass das Transporter Team am Morgen pünktlich zum Ausladen des Equipments an der Hochschule ankam.

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Sehr stolz ist das Team auf die durchweg sehr guten Ergebnisse, die nochmal einen großen Sprung nach vorne in statischen wie dynamischen Disziplinen erkennen lassen und die die harte Arbeit und die langen Nächte mit vielen Verbesserungen zwischen der FSG und FS Italy reichlich belohnen. Ebenfalls wurde das Team so bestätigt, dass der harte Schritt von der Formula Student Combustion zur Formula Student Electric auf jeden Fall die Richtige Entscheidung war und die Erfolge dieser ersten Saison einen konkurrenzfähigen Trend für die Zukunft versprechen. Eine weitere Premiere war die Begleitung unseres Faculty Advisors Herrn Prof. Dr. Dirk Reith, der uns mit seinem Engagement und Enthusiasmus auch das ganze Event über motivieren und mit uns mitfiebern konnte.

„Die Podiumsplatzierung war für mich vor allem eine Kombination von hervorragender Teamarbeit und cleverem Engineering, da wir dieses Jahr vom Antriebspaket her leider mit unterlegenem Material unterwegs waren. Mit etwas mehr Unterstützung von Hochschule und Sponsoren sehe ich aber großartige Perspektiven, da das Team als solches alle Voraussetzungen für weitere Erfolge mitbringt.“ teilte uns Prof. Dr. Dirk Reith nach dem Event mit. Das ganze Team möchte sich für die Unterstützung bedanken und würde es begrüßen, auch in der nächsten Saison die Events mit Herrn Prof. Dr. Reith zu erleben.

 

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Ein weiterer Dank gilt allen unseren Sponsoren, Unterstützern, Freunden und Familien, die uns diesen großartigen Erfolg ermöglicht haben! Besonders hervorheben möchten wir hier nochmals die CPA ReDev GmbH und Herrn Dr. Averdung, ohne dessen Transporter es uns nicht möglich gewesen wäre, das gesamte Equipment so komfortabel bis nach Italien zu fahren. Weiterhin möchten wir der Firma Karodur danken, die uns kurzfristig noch wassergestrahlte Bleche für die Zellverbindung im Akkucontainer und deren Sicherung bereitstellen konnten.